Donnerstag, 27. Oktober 2005

Es bleibt bei einer Sensation - 5:7, 1:6 für Ana Ivanovic

Leider nicht geschafft hat es Tamira Paszek. Im zweiten Satz ging sie ohne große Gegenwehr mit 6:1 unter, den ersten hat sie, wie schon berichtet, mit 5:7 knapp verloren. Da kommt noch viel Arbeit auf den Papa zu, wenn er seine Tochter noch weiter in der Weltrangliste klassieren will. Der Trainer hat es in der Loge auch relativ locker genommen, heute war da ab dem zweiten Satz nicht mehr viel drinnen. Vielleicht sind die Alarmglocken bei Ana Ivanovic etwas spät, schlussendlich aber doch rechtzeitig, angesprungen und man kann ihr ruhig zum Sieg gratulieren. Alles andere wäre unverdient gewesen. Zum Thema "Wunderkind Paszek" und dem Alter: Ana Ivanovic wird auch erst 18 Jahre alt, also gerade einmal drei Jahre trennen die beiden. Und es bleibt ja schließlich noch Sybille Bammer übrig, für die alle in der Halle morgen die Daumen drücken sollten.

Ana Ivanovic gegen Tamira Paszek - kommt die Sensation?

Es ist das Duell des Tage: Österreich gegen Serbien, erinnert manch geschichtskundigen an den ersten Weltkrieg, findet aber heute in der Intersport Arena in Linz statt. Im ersten Satz geht es ganz schön zu und Paszek zeigt eine deutliche Steigerung zum Vortag. Mehr Lauffreude und sie ist um einiges motivierter bei der Sache, erläuft auch den ein oder anderen Ball, auf den sie gestern noch verzichtet hätte. Auf der anderen Seite kann Ivanovic nicht wirklich den Druck ausüben, den sie gerne anbringen würde. Ein insgesamt betrachtet also gutes Spiel, das noch dazu sehr eng ist. Bis zum Stand von 5:5 kann sich keine Spielerin merkbar absetzen, auch wenn Paszek bereits bei 5:4 alles klar machen hätte können. Aber irgendwie kommen langsam auch die Nerven ins Spiel. Invanovic ist da merklich routinierter und spielt locker weiter. Dagegen macht Paszek überproportional viele Fehler, der Aufschlag wird auch wieder zum Unsicherheitsfaktor. Die Serbin kann in den entscheidenden Momenten besseres Tennis zeigen, daher geht das 7:5 für Ivanovic auch in Ordnung. Ich bin ja schon, genau wie alle Zuschauer hier in der Halle gespannt, wie sich Paszek im zweiten Satz halten wird können. Wie gestern auch hat sie übrigens auch eine Toilettenpause zwischen den beiden Sätzen in Anspruch genommen und somit wieder etwas vom ganzen Wirbel um sie hinter sich lassen können.

Fehler bei der "normalen" Presse

Weblogger haben es nicht leicht in Linz, darauf bin ich schon gekommen. Wenn man aber neben einem lauter falsche Buchstabenwürste mithören muss, die dazu noch für ein Printmedium gedacht sind, fragt man sich wirklich, warum man als jemand, der auch auf solche Details schaut, sich teilweise richtig nette Beschimpfungen anhören muss. Ich sitze hier und berichte so schnell wie möglich über das Geschehen. Da brauche ich keine Mega-Spiegelreflex-Kamera um 5.000 Euro inklusive einem Objektiv, das mir die Brustwarze der Spielerin gerade noch aufs Foto passt. Naja, ist eben so. Gleiches gilt übrigens auch für so manche Online-Redaktion bzw. ihre Leute vor Ort.

Spiel, Satz und Sieg Bammer - 7:5 und 6:4

Neuer Publikumsliebling hier in Linz dürfte wohl Sybille Bammer sein. Mit ihrem Sieg vor vollem Haus beeindruckte sie wohl alle in der Halle und auch vor den TV-Bildschirmen. Keine Spur von Nervosität bis kurz vor Ende des Matches, souveräne Rückhand und bessere Aufschläge als die Gegnerin. Nach dem Ende beschreibt der Freund kurz die Geschichte der Sybille Bammer inklusive Kind. Die Mutti darf auch ihren Emotionen freien Lauf lassen und am Schluss noch ein kräftiger Applaus. Mit Tränen in den Augen tritt während dessen die arme Vera ab, aber mit derart vielen Eigenfehlern kann man auch gegen eine Sybille Bammer nur schwer bestehen. Und lieber ORF: Wenn ihr Sybille Bammer nicht nur immer nach einem Sieg für fünf Minuten lang interviewen würdet, dann wäre sie auch dem Publikum besser bekannt. Aber natürlich ist eine 14 Jahre alte Lady interessanter als eine Bammer.

Erster Satz an Sybille Bammer

Beeindruckende Leistung von Bammer. Trotz des enormen Drucks gibt es nicht viel am Spiel der Einheimischen zu meckern. Eine enorm starke Rückhand bietet die nötige Sicherheit, die man bei der Gegnerin Vera Dushevina vermisst. Überhaupt macht die junge Russin noch viele unnötige Eigenfehler, 100% Chancen setzt sie immer wieder in den Sand. Lange Ballwechsel, bei denen Bammer fast immer mit der Rückhand den Punkt vorbereitet, zeichnen das Spiel. Leider ist das Stadion noch nicht so voll, wie es gestern bei Tamira Paszeks Partie war. Aber was nicht ist, das kann ja noch werden. Nach dem 7:5 für Bammer nimmt sich Dushevina eine kurze taktische Toilettenpause, einmal abwarten ob die nötige Sicherheit wieder in ihr Spiel zurück kehren wird.

Update: Bammer spielt ganz gut, muss aber gleich das Break am Beginn des zweiten Satzes hinnehmen. Aber kein Problem, durch tolle Punkte schafft sie sofort wieder das Re-Break und verhindert damit einen größeren Schaden. Nervlich etwas angespannt hingegen Vera Dushevina, da zeichnet sich erneut eine sensationelle Leistung ab. Und Bammer kann das Break sogar ohne Probleme bestätigen, 2:1 in Front, jetzt ja nur nicht nervös werden. Und vielleicht an die "Watschn" denken, die sie Fed Cup Chef Alfred Tesar damit verpassen würde. Der hat sie ja einfach einmal bei der Nominierung übergangen und Tamira Paszek damals eine Chance gegeben. Das wäre jetzt doch die perfekte Bestätigung für Bammer, schließlich muss Paszek mal eine Runde weiter kommen.

Jetzt auf Court 1: Sybille Bammer gegen Vera Dushevina

Ab sofort wird es spannend für alle Österreicher. Sybille Bammer ist gerade eingelaufen und die ersten Ballwechsel sind auch bereits gespielt. Leider gleich ein Break für Dushevina und die 2:1 Führung. Gegen die Nummer 41 der WTA-Rangliste wird es überhaupt eine schwere Aufgabe, aber zumindest das Publikum steht voll und ganz hinter der Oberösterreicherin, die nur wenige Autominuten von hier entfernt wohnt.

bammer vs. dushevina

Alfred Tesar bleibt bis Ende 2007

Am Rande des Generali Ladies in Linz gab der Fed Cup Kapitän aus Niederösterreich seine Vertragsverlängerung mit dem ÖTV bekannt. Bis Ende 2007 bleibt Tesar damit als Chef des Damentennis in Österreich. Sicherlich eine gute Entscheidung vom ÖTV-Präsidenten, denn unter Tesar haben unsere Ladies einiges geschafft. Damit schaut es aber auch nicht nach einer Einigung mit Sybille Bammer aus, die ja von Tesar als führende WTA-Platzierte nicht für das Fed Cup Kernteam aufgestellt wurde und vorm TV-Bildschirm die Spiele verfolgen musste. Tesar wird auf der ÖTV-Webseite wie folgt zitiert:
„Ich bin dem Wunsch des Verbandes gern nachgekommen, weil es mir viel Freude macht, mit diesem Team und seinen Betreuern zu arbeiten; aber auch, weil wir in den vergangenen vier Jahren gemeinsam viel Erfolg hatten. Ich bedauere nur, dass es mit Sybille Bammer, die heuer so stark und erfolgreich spielt, keine Einigung gab. Ich würde mich sehr über ein Gespräch freuen, in dem wir beide Gelegenheit haben, unsere Standpunkte darzustellen. Derzeit bestünde der erweiterte Kader aus Bammer, Tamira Paszek, die sich ja weiterhin bestens entwickelt, Yvonne Meusburger, die hoffentlich bald wieder genug Selbstvertrauen hat, um erfolgreich zu sein, Barbara Schwartz, wenn sie fit ist, unserem stärksten Doppel, Daniela und Sandra Klemenschits, sowie Daniela Kix und Tina Schiechtl.“
Am 22. und 23. April geht es dann gegen die Spanierinnen, welche auch den Heimvorteil inne haben werden. Eine schwere Angelegenheit, aber vorher hat man im November ja noch Zeit zur Vorbereitung bei den europäischen Damen Team-Cup in Tschechien, ohne Bammer, dafür aber mit Eva Maria Hoch, Natascha Karolyi, Melanie Klaffner und Tamira Paszek.

Conchita Martinez sagt tschüss in Linz

Wird es heute der letzte Auftritt von Conchita Martinez auf der WTA Tour? Anscheinend beendet die Spanierin nach diesem Turnier ihre Karriere, mit 33 Jahren gehört sie zwar nicht mehr zu den jüngsten, aber mitspielen kann sie allemal noch. Die Gegnerin kommt aus der Slowakei, ist Liebling aller Männer in der Halle, um 11 Jahre jünger und heißt Daniela Hantuchova. Und die Chance lebt für Martinez, auch wenn sie knapp 20 Positionen in der Weltrangliste hinter Hantuchova liegt. Die zeigte gestern eine nur mäßige Leistung am Center Court, Klara Koukalova hätte am Ende des dritten Satzes alles klar machen können. Sorgen um Conchita muss man sich aber keine machen, mit über 11 Millionen Dollar Preisgeld am Konto hat sie in den vergangenen 17 Jahren wohl ausgesorgt. Ein netter Schnappschuss ist mir gestern am Abend gelungen: ORF-Reporter Andreas Du Rieux setzte sich vor uns in die Wilson-Loge und beobachtete, wie fast jeder (das Spiel war nur Nebensache) in der Halle, Daniela Hantuchova ganz genau.

Andreas Du Rieux blickt auf den Court

Leichtes Los und glücklicher Sieg für Tamira Paszek

Erster Auftritt von Tamira Paszek auf der WTA Tour und schon ein Sieg. Was bisher nur Martina Hingis gelungen ist, das hat jetzt auch eine Österreicherin geschafft: Sieg ohne ein Aufscheinen in der Weltrangliste. Ob sich Babsi Schetts Aussagen bewahrheiten werden, Tamira würde es zwar unter die Top 50 sicher schaffen, aber Top 10 eher nicht, bleibt abzuwarten. Die Presse ist sich aber einig: Österreich hat einen neuen Tennisstar, bevor überhaupt wirklich nennenswerte Ergebnisse da sind. Aber vielleicht bringt dieser Mini-Hype den Sport wirklich etwas weiter. Der ORF analysiert den Erfolg folgendermaßen:
Bemerkenswerte Kampfkraft, sehr schnelle Schläge, eine vor allem sehr starke Rückhand und auch eine mental reife Leistung - all diese Komponenten zeigte die junge Dornbirnerin.
Was der Redakteur aber übersehen haben dürfte: Paszek war am Platz nicht gerade die schnellste, vorallem beim Sprint ans Netz war sie meist relativ langsam und oft zu spät gestartet. Im Gegensatz zum Doppel mit Meusburger hat sie sich auf der Grundlinie viel weniger bewegt, auch der Mut einmal ans Netz zu gehen und Druck auszuüben, der fehlte gänzlich. Und ohne die vielen unnötigen Fehler der Gegnerin Elena Vesnina wäre die Partie ganz anders ausgegangen, selbst wenn das Spiel von Paszek ganz passabel war. Noch so am Rande als kleine Anmerkung, ein Hinweis auf den Bericht von derStandard.at zum Thema:
Bemerkenswerte Kampfkraft, sehr schnelle Schläge, eine vor allem sehr starke Rückhand und auch eine mental reife Leistung. All das zeigte die junge Dornbirnerin.
Also mehr als eine Nachrichtenseite braucht man nicht online lesen, dort findet man anscheinend wirklich nur von Agenturen zusammen kopierte Meldungen. Lieber hier im Blog vorbei schauen und sich live aus der Halle die Berichte abholen!

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